Sturmtief Sabine war allgegenwärtig. Nach Aufrufen des ADACs; Autos am Sonntag stehen zu lassen oder der Bahn; entsprechende Reisen zu verlegen, wollten wir uns nicht unnötig einer Gefahr beim Oberligaspiel in Norderstedt aussetzen. Eine Verlegung am Samstagvormittag war allerdings zu spontan, also beim nächsten Mal das Unwetter besser zu Saisonbeginn anmelden. Und auch die Turnierordnung lässt einen ein wenig im Stich. Unter 2.10.2 heißt es: „In Ausnahmefällen „Höhere Gewalt“ kann der Turnierleiter einen neuen Termin ansetzen.“. Eine Kommentierung zur „Höheren Gewalt“ gibt es an der Stelle jedoch nicht.

 

Die übliche Lesart soll aber Folgende sein; wenn Bahn und Bus die Anreise zum Spiel gewährleisten, dann liegt keine höhere Gewalt vor. Da dies am Sonntagmorgen der Fall war gab es auch keine Gründe einer Verschiebung. Dabei spielt es auch keine Rolle, dass ab Mittag kein Zug mehr nach Kiel rollte. Dies wäre ja auch nicht weiter schlimm, denn Norderstedt Kiel ist fußläufig machbar und mit ein wenig Glück hätte man sogar Rückenwind gehabt. Die Voraussetzungen für eine Schachpartie waren somit gegeben.

 

Gegen Spitzenreiter Norderstedt war keinesfalls ein Punktgewinn eingeplant. Jeder durfte für sich eine schöne Partie spielen. Der Großteil tat das auch, mit Ausnahme von Bülent und Sebastian. Sebastian hatte scheinbar einen Wirbelsturm im Kopf, der seine Varianten durcheinanderbrachte, so dass er sich merkwürdig aufbaute. Bei Bülent hat man sich mittlerweile an äußerst fragwürdige Eröffnungen, wenn man es so nennen kann, gewöhnt. Ebenso hat man sich aber daran gewöhnt, dass Bülent seine Gegner dabei immer wieder austrickst. Dies war abermals sein Erfolgsrezept. Neben Bülents Sieg und Sebastians Niederlage war Alexander auch zügig fertig und erkämpfte sich ein sicheres Remis.

 

Spannungen versprachen nur noch die ersten vier Bretter. Und alle vier Doppelbauern hielten gegen ratingstärkere Gegner ordentlich mit. Magnus zermürbte seinen Gegner mit typischer stoischer Ruhe. Mats versuchte mit taktischen Stellungen Ungleichheiten aufs Brett zu bringen. Lukas stand auf dem ersten Blick merkwürdig, aber bei tieferen Hinsehen doch ausgeglichen. Julian kam hervorragend aus der Eröffnung und optisch hätte von leichten Vorteilen die Rede sein können. Nach nicht allzu langer Zeit bot Lukas Gegenüber überraschend Remis. Eventuell war der Gegner mit dem Zug da und hörte vom einzustellende Zugverkehr. Dafür, dass jeder auf eigene Rechnung spielte, lief es zu diesem Zeitpunkt trotz des 3:2 Rückstandes ganz ordentlich. Magnus und Mats verdienten sich jeweils Remis und konnten noch einen Brettpunkt einheimsen. Julian, der zwischenzeitlich ganz interessant stand, musste Zug um Zug mit ansehen wie sein Ende nahte. Am Ende stand eine 5:3 Niederlage, bei der wir uns, trotz aller Umstände, gut verkauft haben. Eine kleine Belohnung war, dass wir uns um einen Rang verbessern konnten, weil die punktgleichen Preetzer höher verloren.

 

Nichtsdestotrotz hinterlässt das Wochenende einen faden Beigeschmack. Bei der empfohlenen Anreise mit der Bahn wären wir komplett aufgeschmissen gewesen. Selbst die Nicht-Geistessportler haben es an dem Wochenende geschafft, eine bei Weiten größere Veranstaltung zu verschieben.