Der erste Tag begann mit unserem Mannschaftskampf gegen die SG Jasmund. Aufgrund von einige Missverständnissen und anderen Problemen waren leider nur drei Spieler an den Brettern. Dafür machten diese ihre Sache recht souverän: Jonas verwandelte eine schon früh überragende Stellung in eine Mehrqualität, die er dann nach längerem Kampf sicher verwerten konnte. Keyvan konnte den König seines Gegners in der Brettmitte festhalten, auch ein zwischenzeitlicher (nicht wirklich eingeplanter) Bauernverlust änderte nichts daran, dass Schwarz immer etwas angenehmer stand. Als sich schließlich einige Linien öffneten war es bald um den weißen König geschehen. Henry spielte eine strategisch komplexe Partie, in der er zwar einen Bauern gewinnen konnte, die Stellung blieb aber noch unklar. In beiderseitiger Zeitnot übersah sein Gegner aber eine Drohung und schon war die Partie weg.

Zum Start gab es also den erhofften souveränen 3:1-Pflichtsieg. Die Auslosung bescherte uns in der zweiten Runde die an 2 gesetzte Mannschaft des Reideburger SV, die an allen Brettern mit (mindestens) etwa 200 DWZ favorisiert sein würden. Nach dem Mittagessen ging es an die Vorbereitung und um 14:30 begann die Runde. Mit zwei ausgeruhten Spielern und einer Vorbereitung, die zumindest teilweise gut funktionierte, sah es nach den ersten paar Zügen durchaus chancenreich aus. Als erster fertig war Julian, der sich in seiner Stellung nicht wohlfühlte und versuchte, die Stellung durch eine forcierte Variante nach seinem Sinn zu transformieren. Leider übersah er dabei einen sehr trickreichen Zug am Ende einer langen Variante, sodass er Material verlor und den hoffnungslosen Kampf nicht mehr lange aufrechterhalten konnte. Das nächste Ergebnis brachte erfreulichere Nachrichten: Jonas hatte einen etwas ungewöhnlichen Marshall-Angriff gespielt, sein Gegner nutzte dies aber nicht aus und fiel stattdessen selbst durch merkwürdige Züge auf. So konnte Jonas schnell einen Königsangriff einleiten, der letztlich durchschlug und einen massiven Materialverlust des Weißen zur Folge hatte. Es stand also 1:1, Peter und Keyvan hatten zwischendurch beide relativ wilde, aber unklare Stellungen auf den Brettern. Peter, der scheinbar nicht nur mit seinem Gegner, sondern auch mit der Uhr kämpfte, kam schließlich aus einem etwas schlechteren Endspiel in ein Endspiel mit gleichfarbigen Läufern und jeweils drei Bauern, dass nur noch ihm Gewinnchancen bot, bei guter Gegenwehr aber remis enden sollte. Stattdessen missachtete sein Gegner die wichtigste Grundregel in diesen Stellungen, stellte alle Bauern auf die falsche Felderfarbe und musst mit ansehen, wie diese nach und nach Peters Läufer zum Opfer fielen. Die Stellung mit zwei verbundenen Freibauern gewann Peter dann, ohne in eine der trickreichen Fallen seines Gegners zu tappen. Keyvan fand eine sehr hübsche Kombination, die letztlich zu einem materiell ausgeglichenen, aber dennoch klar für ihn vorteilhaften Turmendspiel führten. Nach einigen Abenteuern in diesem Endspiel hatte Keyvan seinen Gegner überspielt und holte den Punkt zum überraschenden 3:1-Sieg!

Eine sehr starke Leistung, sowohl von den Ergebnissen als auch der Qualität der Partien, die mit einer weiteren Runde an den Livebrettern belohnt wird. Morgen geht es zunächst gegen Empor Berlin, vielleicht gelingt eine weitere Überraschung? Die Partien können hier mit einer 15-minütigen Verzögerung verfolgt werden.

PS: Am Abend durfte auch ich versuchen, mein schachliches Können unter Beweis zu stellen. Dies gelang überraschend gut, sodass ich im Team mit Ronja (vom Organisationsteam) das Tandemturnier gewinnen konnte. Bei weiteren Mannschaftssiegen wäre ich wohl bereit, etwas von dem Sieger-Naschi abzugeben :)