In Zusammenarbeit mit den SF Burg veranstaltet die Kieler Schachgesellschaft (KSG) dieses Jahr ihren Saisonauftakt. Der erste Teil, der am heutigen Samstag, den 9.9.18, stattfand, bestand aus einem Simultan mit GM Jan Gustafsson (Elo 2641) aus Hamburg. An insgesamt 30 Brettern trat er gegen Spieler der KSG und von den SF Burg an. Um einige kurzfristige Ausfälle zu kompensieren, durften auch Julian S., Emil und ich teilnehmen. Alle Spieler befanden sich in etwa in dem Bereich von 1700-2100 DWZ, sodass es keinesfalls eine leichte Aufgabe für den Großmeister werden würde.

Alle Spieler traten mit den schwarzen Steinen an und bereits in der Eröffnung zeigten sich große Unterschiede in den Partien der drei Doppelbauern. Emil erreichte einen relativ soliden Aufbau mit nur minimalem weißen Vorteil. Julian musste früh das Rochaderecht abtreten, kam aber in der Folge noch zu dem Manöver Kf8-g8-h7, Th8-e8, Kh7-g8, das ihn im Vergleich "nur" drei Tempi kostete, und stand (erstaunlicherweise) kaum schlechter. Meine eigene Partie verlief komplett anders. Nachdem ich im 5. Zug keine Ahnung mehr von der Theorie hatte, konnte ich um den 10. Zug einen halb eingestellten, halb geopferten Bauern nehmen, wählte danach aber nicht die beste Fortsetzung und musste mich mit einer komplett zerrissenen Bauernstruktur vor dem König abfinden.

Etwas später hatte Julian ein ausgeglichenes Endspiel erreicht. Emil hatte ebenfalls ein nur minimal schlechteres Damenendspiel auf dem Brett, während ich nicht nur überlebte, sondern auf wundersame Art und Weise eine bessere und schließlich glatt gewonnene Stellung erhielt.

Emil war als erster fertig und sicher froh darüber, ein Remisangebot seines Idols annehmen zu dürfen. Mit Julians und meiner Stellung ging es danach allerdings bergab. Julian hatte einen Bauern gewonnen, mit der deutlich schlechteren Königsstellung im Turm-Läufer-Endspiel allerdings kaum Gewinnchancen. Statt einer forcierten Zugwiederholung spielte er weiter auf Gewinn, was sich als kontraproduktiv herausstellte. Nach einem weiteren Bauernopfer war die Stellung mit einem am Rand abgesperrten König wenn überhaupt nur noch schwer zu halten. Trotz hartem Kampf musste er schließlich den ganzen Punkt abgeben.

In meiner Partie konnte ich mit einem Freibauern auf d3 einen großen Stellungsvorteil erreichen. Als ich taktisch abwickeln wollte, übersah ich leider eine wichtige Nuance und musste in ein Enspiel gehen, in dem ich mit zwei Türmen und zwei Mehrbauern gegen die Dame zwar nominell materiell überlegen war, wegen meines eingesperrten Königs und der Immobilität aller meiner Bauern allerdings keine Gewinnchancen sah. Mein Remisangebot wurde akzeptiert, wie eine erste Heimanalyse zeigt zurecht, da ich durchaus noch weiterspielen hätte können.

Nach den Ergebnissen der Doppelbauern möchte ich noch einen kurzen Blick auf die ganze Veranstaltung werfen. Die große Partienzahl und die relativ starke Gegnerschaft führte auch auf großmeisterliche Seite zu einigen Patzern. Manche Partien wurden wegen des Spielstärkeunterschieds auch mit einer Minusfigur noch gewonnen, andere führten zu insgesamt drei Niederlagen. Nach teilweise groben Einstellern, teilweise auch einfach guten Partien, konnten sich Hendrik Janke (SF Burg) sowie Hans-Reiner Plichta und Franz Felser (beide KSG) über einen Sieg gegen den Großmeister freuen. Zusätzlich gab Jan Gustafsson geschätzt circa 7 Remis ab. Nach der Beendigung aller Partien fand sich eine kleine Analyserunde zusammen, die mit großmeisterlicher Unterstützung noch 2 Partien durchging.

Insgesamt war es eine schöne Erfahrung, mal wieder in einem Simultan anzutreten und sich mit einem deutlich stärkeren Gegner zu messen. Auch die Ergebnisse und die Partien (zumindest phasenweise) liefen für die Doppelbauern sehr gut. Hervorheben möchte ich nochmal Julian, der als jüngster Teilnehmer eine Remisstellung erreichte und - dem Ziel des Spiels entsprechen und trotz des Gegners - weiter auf Sieg spielte.

Abschließend möchte ich mich bei der KSG für die Ausrichtung und die Ermöglichung der Teilnahme bedanken.</p