Nicht nur Mannschaftskämpfe, Meisterschaften und den Verein macht das Schachleben aus, sondern auch Open. Ein solches habe ich in der vergangenen Woche im Münsterland gespielt. Vom 29.10. - 05.11. wurden 9 Runden mit Fischerbedenkzeit gespielt. Ich selber

konnte leider in der ersten Runde nicht teilnehmen, so kam mir die Bye-Regelung zu Gute. So konnte ich eine Runde aussetzen und einen halben Punkt bekommen. So fing ich gleich in einem sehr gut besetzten Open mit einem halben Punkt starten und bekam so direkt stärkere Gegner. Gleich in Runde zwei musste ich so gegen meinen über 100 Punkten stärkeren Gegner lange und unter langer Zeitnotphase nach über fünf Stunden die Waffen strecken. Die meisten Turnierpartien begannen um 17Uhr. Da am Montag auch der gleichzeitig stattfindende Challenger Cup (DWZ<1700) begann, kam die Runde erst gegen 22:30 zum Ende. Da am folgenden Tag durch den 31.10. frei war, konnte man so gut ausschlafen und am Vormittag in die nächste Runde gegen einen nominell ähnlich starken Gegner starten. Ich konnte so nach mir unbekannter Eröffnung ( was wohl bei den meisten der Fall ist ;) ) eine ausgeglichene Stellung nach schwerer Zeitnotphase erreichen. Mein Gegner symbolisierte durch schnelles Ziehen, dass er das auch so sah. Ich konnte aber eine letzte Ressource finden. Durch seine Unvorsichtigkeit konnte ich so nach einem doppelten Bauernopfer, einen Bauern mit Macht auf der dritten Reihe durchdrücken. So startete ich mit 1,5/3 in die Doppelrunde. Auch die 2.Partie konnte ich schnell durch einen taktischen Kniff schnell nach 17 Zügen gewinnen. So war ein langer Tag glücklicher Weise schnell zu Ende. Damit konnte ich am zweiten Feiertag in Folge (01.11. ist in NRW ja Ferientag) mit viel Schlaf starten. Schnell wie man eine Partie gewinnt, kann man leider auch durch ungenaues Spiel seine Partie verlieren. So ging gegen einen 250Punkte stärkeren Gegner leider meine Partie verloren. Auch am folgenden Tag war das Glück nicht auf meiner Seite und die zweite Partie in folge ging verloren. Am Freitag Mittag witzelte ich noch mit einem Freud darüber, dass ich in die Nähe der Geldränge kommen könnte, wenn ich in den letzten Partien 3/3 holen würde und ich musst das Versprechen abgeben dies auch zu schaffen. So startete ich gut vorbereitet in Runde 7. Mein Gegner hatte natürlich Spaß dieser aus dem Weg zu gehen und mich gleich im 2. Zug im Regen stehen zu lassen. So musste ich mich in einer mir unbekannten Eröffnung, auch noch mit Schwarz wieder in die Partie zurück kämpfen. Nach einem sehr scharfen Abtausch musste ich mich mit geringer Kompensation und zwei Bauern weniger zufrieden geben. Durch eine sehr saubere taktische Analyse konnte ich in eine Zugwiederholung abwickeln. Mein Gegner wollte diese verständlicher Weise nicht und gab einen seiner Mehrbauern für einiges an Spiel. Auch wenn es anders schien, war dies schon ein kleiner Nachteil für den, der auf Gewinn spielte. Nach weiteren 30 schwierigen Zügen konnte ich so die Partie für mich entscheiden. In der vorletzten Runde wurde mir von meinem Gegner ein kleines Geschenk gemacht und ich wurde in eine mir sehr bekannte Stellung nach der Eröffnung angeboten. Diese konnte ich nach einigen Standartmotiven zu einem kleinen materiellen Vorteil umwandeln. Diesen konnte ich über die Zeit halten und noch ein bisschen ausbauen. Auch wenn mein Gegner seinen 100Punkte DWZ-Vorteil versuchte weiter auszunutzen, konnte er leider nichts mehr ausrichten. So stand ich mit 4,5 Punkten vor der Schlussrunde. Natürlich war mein Ziel für die letzte Runde klar. Gewinnen. Ich wollte in der letzten Runde mit einem gefährlichen Gambit nochmal versuchen alles raus zu holen. Leider überstand ich die Eröffnung wie so häufig nicht besonders gut und musste mit einem deutlichen Nachteil weiterkämpfen. Durch ein taktischen Angriff konnte ich noch einmal angreifen und einen Materialvorteil gewinnen. Leider wusste mein Gegner dies in ein schwieriges Endspiel abzuwickeln. So musste ich weiter mit Doppelspringer, Turm und zwei Mehrbauern genau im Endspiel spielen. Langsam konnte ich meinen Vorsprung ausbauen und eine Qualle geben um Vorteil zu erlangen, was ich aber durch meine 4min (in letzter Zeitperiode) auf der Uhr in Gefahr sah. Durch einen fehlerhaften Remis-Trick musste mein Gegner glücklicherweise schnell aufgeben. So konnte ich mein Versprechen wahr machen und das Turnier mit 5,5/9 abschließen, wenn man nur meine wirklichen Punkt rechnet 5/8. Da ich von 122/143 Teilnehmern ins Turnier startete, war das natürlich ein sehr guter Ausgang. Auf Platz 31. bin ich leider nur knapp am Raitingpreis U1900 vorbei, aber trotzdem war das ein Turnier ein persönlicher Erfolg. Am Ende standen +63DWZ was mich erstmals über die 1900-Schwelle hob und mich natürlich glücklich machte. Am Schluss lässt sich noch einiges sagen: Ein weiterer Kieler war im Rennen: Matthias Budzyn. Er konnte nach langen Runden an den Spitzenbrettern einen ebenfalls sehr guten 36. Platz erreichen. Herzlichen Glückwunsch dazu. Ich möchte mich auch nochmal sehr herzlich bei dem SK Münster 32 für die großartige Ausrichtung eines so schönen Turniers bedanken. Sehr gut wurde auch auf die Behindertengerechtheit geachtet, was zwei Geheingeschränkte anlockt, dies ist m.E. sehr begrüßenswert ist. Auch ein Wort der Kritik möchte ich loswerden, was sich nicht gegen die Ausrichter sondern an einige Teilnehmer richtet. Ich war zwar nie ein Freund der strengen Verspätungsregelungen von einigen Turnieren oder der DSJ, aber in diesem Turnier hatte ich gleich 4 Gegner mit deutlicher Verspätung und es waren so manchmal über 50 Teilnehmer nicht zu Beginn der Runde am Brett, was mich zum Umdenken bewegt hat. Ich finde so etwas nicht so schön, aber vor allem in einem Open manchmal nicht unvermeidlich. Trotzdem möchte ich noch einmal an die Pünktlichkeit appellieren. - Finn Petersen