Es war ein sehr klarer Mannschaftskampf gegen Raisdorf in der 8.Runde der Bezirksliga Kiel - das heißt nicht, dass wir klar überlegen waren, obwohl die Zahlen das eigentlich so sahen, sondern die Gewinn- und Verlustpartien waren sehr eindeutig. Zunächst die Aufstellung: Julian wie immer an 1, Moritz an 2, Finn an 3, ich (Tom) an 4, Kay an 5, Sebastian an 6, Tilo an 7 und Emil an 8. Alle bis auf Kay hat somit klare DWZ-Vorteile, doch die muss man erstmal am Brett nachweisen! Schließlich hatte die 1.Mannschaft der Raisdorfer lange die Verbandsliga mehr durch Kampf als durch Spielstärke gehalten und stehen dieses Jahr in der Bezirksliga trotz Verlust einiger Leistungsträger im Mittelfeld auf Rang 7, nur einen Platz hinter uns. Die Anreise nach Raisdorf verlief schon sehr verheißungsvoll für uns, erst hatten wir keine Fahrer, dann kamen Julian und Finn spontan mit dem Auto, auch nicht schlecht!, dann fanden wir mit Emil unseren 8.Spieler, nachdem wir erst nur mit 7 geplant hatten und schließlich fanden wir auch locker ohne Navi zum Spielort.

Genug der langen Vorrede - schließlich haben die ersten Ergebnisse auch nicht so lange gebraucht! Sebastian hatte schnell die schönste Aljechin-Variante aus seiner (schwarzer) Sicht auf dem Brett 1.e4 Sf6 2. Sc3 d5 3. e5 d4 4.exf6 dxc3 5.fxg7 cxd2+ 6.Lxd2 Lxg7. Wer sich auskennt, diese Stellung ist schon super für Schwarz, Sebastian rochierte lang und noch h5 mit drohendem Königsangriff verlor sein Gegner den Kopf und stellte einen Springer ein, dem ein Läufer folgen sollte. 1:0.

Das Geschehen auf Tilos Brett habe ich von Anfang an nicht verstanden. Sein Gegner Steffen Kirstein ist ja für seine unorthodoxe und direkte Spielweise bekannt, doch diesmal verlor er einfach einen Leichtfigur für einen Bauern. Tilo gab ihm aber dafür etwas Aktivität, die ihn 2 weitere Bauern kosteten, schließlich übersah Tilo noch ein verhängnisvolles Zwischenschach und verlor. 1:1.

Als nächstes war Emil fertig, er hatte sich schön einen Bauern erkämpft, doch dann hatte sein Gegner eine taktische Ressource zum Remis gefunden. Doch Emil wollte kein Remis und rannte ins Mattnetz, zur Befreiung musste er einen Turm abgeben, das war zu viel. 1:2.

Die Raisdorfer machten ihrem Kampfgeist bis jetzt also alle Ehre, aber der nächste Punkt sollte an uns gehen. Kay hatte mustergültig den gegnerischen Damenflügel festgelegt und griff nun mit 2 Mehrfiguren am Königsflügel an, denn der gegnerische Turm und Springer standen noch in Startposition. Alle Figuren spielten schön mit und schnell wars für den König vorbei. 2:2.

Bei mir war von Anfang an auf dem Brett nicht viel los, ich hatte einen guten Läufer gegen einen schlechten Springer und konnte gut einen gegnerischen Isolani attackieren. Zu Verteididung überlegte mein Gegner sehr lange, bis er nur noch 8 Minuten für 12 Züge hatte, das war zu wenig. Nach dem Verlust des Bauern packte ich die taktische Keule aus und da kam prompt der gegnerische Fehler. 3:2.

Finn spielte seine Partie sehr minimalistisch, in einer schlecht gespielten Eröffnung holte er sich das Läuferpaar gegen eine grausame Bauernstruktur. Aber dann legte er wie ein Endspielgott los, geschickt wurde die schlechte Struktur abgetauscht, ein entfernter Freibauer geblidet und der gegnerische König vom Bauern abgeschnitten. Wenig später war der Bauer durch. 4:2. 

Moritz bekam mal wieder seinen Lieblingsslawen aufs Brett, er schien jederzeit vollkommen den Überblick zu haben, obwohl ich die Vörgange auf dem Brett nicht so richtig verstand. So musste sein Gegner auch sehr viel Zeit investieren. In Zeitnot passierte ihm der entscheidende Fehler und das Endspiel war nur noch Formsache für Moritz. 5:2.

Zum Schluss spielte nur noch Julian, erst hatte sein Gegner einen Bauern für Spiel gegeben, dann gab Julian diesen zurück und am Ende war vielleicht noch ein bisschen Vorteil für Julian da. Aber der fortgeschritten Stunde und dem klaren Punktestand geschuldet, einigte man sich hier auf Remis und konnte endlich die Heimreise antreten. 5,5:2,5.

Nun haben wir 9 Mannschaftspunkte und spielen in der letzten Runde gegen die 3. Mannschaft der Türmer, die bis jetzt nur Siege eingefahren haben. Zeit diese Serie zu beenden, schließlich ist auch das auch schon mit Turm Kiel 2 in der Verbandsliga gelungen. Wir liegen auf Rang 6 knapp hinter Flintbek und Friedrichsort, vielleicht geht ja dann noch was nach vorne. Weiter geht es also am 12.Mai mit der 9. und letzten Runde.

 

Tom Behringer